Die falsche Welt des nativen Olivenöls extra

Olivenöl ist ein Naturprodukt, das von allen Beteiligten der Produktionskette mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit behandelt wird. Die Qualität des nativen Olivenöls extra hängt vom Baum bis zum Teller ab, wobei jeder Schritt mit höchster Präzision ausgeführt wird.
Farbe und Geschmack variieren je nach Olivensorte von Hellgelb bis Dunkelgrün und von buttrig bis grasig, oft mit einem charakteristischen pfeffrigen Nachgeschmack im Rachen.

Olivenöl höchster Qualität
Natives Olivenöl extra wird aus der ersten, kalten Pressung der Oliven gewonnen, und zwar so bald wie möglich nach der Ernte. Allerdings werden die Oliven während der Ernte und des Transports immer leicht beschädigt, wodurch der Säuregehalt steigt. Je niedriger der Säuregehalt, desto höher die Qualität des Olivenöls.

Chemisch betrachtet erklärt sich das Vorhandensein freier Fettsäuren durch einen Prozess namens Lipolyse. Dabei kommen natürlich im Fruchtfleisch und Kern der Olive vorkommende Enzyme mit dem Öl in Kontakt. Dies geschieht, wenn die Zellstruktur der Olive beschädigt wird. Das Öl, das normalerweise in Vakuolen gespeichert ist, wird dabei teilweise in Ölsäure umgewandelt.

Die Europäische Kommission verwendet klare Definitionen, um die Qualitätsunterschiede zu verdeutlichen:
- Natives Olivenöl extra: Olivenöl aus der ersten Pressung mit maximal 0,8 Gramm freien Fettsäuren pro 100 Gramm;
- Natives Olivenöl: Olivenöl mit maximal 2,0 Gramm freien Fettsäuren pro 100 Gramm;
- Lampantöl: Öl mit einem Säuregehalt über 2,0 %, ungenießbar und traditionell als Lampenöl verwendet.

Betrug bei Olivenölproduzenten
Große Olivenölproduzenten beliefern hauptsächlich Supermarktketten, die starken Preisdruck ausüben. Dies geht oft zu Lasten der Qualität.

Um die Ausbeute zu erhöhen, werden Olivenfruchtfleisch und Rückstände manchmal ein zweites oder sogar drittes Mal unter Anwendung von Hitze und Chemikalien verarbeitet. Das Ergebnis ist ein Öl von sehr geringer Qualität, das tatsächlich ungenießbar ist und Lampantöl stark ähnelt. Anschließend wird dieses Öl mit einer kleinen Menge nativem Olivenöl extra vermischt, sodass der Gesamtsäuregehalt knapp unter dem Grenzwert von 0,8 Gramm bleibt. Dadurch kann das Produkt weiterhin als „nativ extra“ verkauft werden, oft zu einem attraktiven Preis.

Olivenöl aus dem Supermarkt
Viele Supermarkt-Olivenöle besitzen nicht die Eigenschaften, die gutes Olivenöl so besonders und gesund machen. Geruch und Geschmack sind oft fade oder sogar unangenehm. Manchmal riecht man daran, dass es an feuchten Karton erinnert oder es gar keinen Duft wahrnimmt. Die reichen Aromen – von buttrig bis grasig – sind völlig verschwunden.

Gutes natives Olivenöl extra kostet lose bereits zwischen 7 und 10 Euro pro Liter, und dieser Preis steigt jährlich. Hinzu kommen die Kosten für Abfüllung, Etikettierung und Transport.

Es ist daher logisch, dass hochwertiges natives Olivenöl extra teurer ist als die billigen Sorten im Supermarkt. Wer Qualität wählt, entscheidet sich für ein ehrliches Produkt mit Geschmack, Aroma und Nährwert.

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