In Südeuropa erreichen die Menschen im Durchschnitt ein hohes Alter und bleiben dabei oft länger gesund. In den vergangenen Jahren wurde dies häufig mit der mediterranen Ernährung in Verbindung gebracht. Sie zeichnet sich durch einen hohen Verzehr von Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen aus, ergänzt durch Fisch, relativ wenig rotes Fleisch und die regelmäßige Verwendung von Olivenöl.
Heute weiß man, dass Olivenöl zahlreiche bioaktive Inhaltsstoffe enthält, darunter Oleocanthal, Oleuropein, Hydroxytyrosol und Elenolide. Weniger bekannt ist jedoch, dass auch die typischen mediterranen Kräuter wie Thymian, Oregano, Diktamos oder Eisenkraut eine Vielzahl interessanter Pflanzenstoffe enthalten. Deren mögliche gesundheitliche Wirkungen werden erst seit einigen Jahren intensiver wissenschaftlich untersucht.
Einer dieser Stoffe ist Carvacrol mit der chemischen Formel C₆H₃(CH₃)(OH)C₃H₇. Obwohl diese Formel auf den ersten Blick kompliziert erscheint, setzt sich die Verbindung lediglich aus den Elementen Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O) zusammen.
Carvacrol wurde inzwischen in zahlreichen Laborstudien untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Substanz eine ausgeprägte antibakterielle Wirkung gegen mindestens 25 verschiedene Bakterienarten besitzt[1]. Darüber hinaus wird erforscht, ob Carvacrol auch das Wachstum bestimmter Krebszellen beeinflussen kann. Besonders bei Brustkrebs wurden in Zellkulturversuchen vielversprechende Ergebnisse beobachtet.
An der häufig verwendeten Brustkrebszelllinie MCF-7 konnte gezeigt werden, dass Carvacrol die Zellteilung hemmt und den programmierten Zelltod (Apoptose) fördert. Als möglicher Wirkmechanismus wird die Hemmung des PI3K/AKT-Signalwegs diskutiert („Carvacrol significantly inhibited the breast cancer MCF-7 cell proliferation and induced apoptosis via suppressing PI3K/AKT signaling pathway.“)[2].
Im nächsten Schritt wurden die Effekte von Carvacrol in einem Tiermodell untersucht. Hierfür verwendeten die Forscher speziell gezüchtete Ratten, die eine erhöhte Neigung zur Entwicklung von Brusttumoren aufweisen. Bei den mit Carvacrol behandelten Tieren wurde eine signifikante Verringerung des gesamten Tumorvolumens festgestellt („…revealed a significant decrease in the cumulative tumor volume…“)[3].
Dennoch ist Vorsicht geboten. Die bisher vorliegenden Ergebnisse stammen aus Zellkultur- und Tierstudien. Solche Untersuchungen iefern wichtige Hinweise auf mögliche Wirkmechanismen, erlauben jedoch keine direkten Rückschlüsse auf die Wirksamkeit beim Menschen. Hierfür sind sorgfältig durchgeführte klinische Studien erforderlich.
Trotzdem sind die bisherigen Ergebnisse vielversprechend und rechtfertigen weitere Forschung. Unabhängig davon spricht vieles dafür, mediterrane Kräuter wie Oregano und Thymian regelmäßig in den Speiseplan zu integrieren. Sie verleihen Gerichten nicht nur ein intensives Aroma, sondern iefern auch eine Vielzahl bioaktiver Pflanzenstoffe, die zu einer abwechslungsreichen und gesunden Ernährung beitragen können.
[1] Anderson: Final report on the safety assessment of sodium p-chloro-m-cresol, p-chloro-m-cresol, chlorothymol, mixed cresols, m-cresol, o-cresol, p-cresol, isopropyl cresols, thymol, o-cymen-5-ol, and carvacrol in International Journal of Toxicology – 2006
[2] Mari et al: Carvacrol Promotes Cell Cycle Arrest and Apoptosis through PI3K/AKT Signaling Pathway in MCF-7 Breast Cancer Cells in Chinese Journal of Integrative Medicine – 2020
[3] Rojas-Armas et al: The Essential Oil of Cymbopogon citratus Stapt and Carvacrol: An Approach of the Antitumor Effect on 7,12-Dimethylbenz-[α]-anthracene (DMBA)-Induced Breast Cancer in Female Rats in Molecules – 2020

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